
Es wird einmal ein Raumschiff sein. Ein sehr großes Raumschiff, mit dem viele Menschen fliegen. Sie transportieren außerdem Gerätschaften und Maschinen, um auf einem unbewohnten Planeten eine neue Zivilisation gründen zu können. Pioniere werden sie sein, Helden und Abenteurer, die die letzte Grenze durchbrochen haben. Sie waren ausgezogen um dem toten Universum Leben einzuhauchen, da man in so langer Zeit keinen Beweis hatte finden können, daß es noch andere Lebewesen im All gibt.
Man flog jahrelang, doch alle nahmen die Strapazen der Reise in der Enge des Schiffes freudig auf sich, denn alle hatten das Ziel vor Augen, am Ende auf einem fremden Planeten komplett neu anzufangen. Diese Vision beflügelte den Geist eines jeden Einzelnen jeden weiteren Tag aufs Neue.
Und dann, nach einer langen Flugzeit fanden sie einen wundervollen, kleinen Planeten der in einer nur ganz schwach elliptischen Umlaufbahn um einen weißen Stern friedlich rotierte. Die ersten Erkundungsteams wurden ausgesandt, um den Planeten grob zu vermessen und Proben zu holen. Sie landeten auf einer weiten Ebene, wo sich das türkisfarbene Gras bis zum Horizont erstreckte und smaragdfarbene Blumen wie Juwelen darin glänzten. Die strahlend weiße Sonne glühte als kleiner Diamant am rosa Himmel, den nur vereinzelte, kleine, lindgrüne Wölkchen bedeckten. Die Menschen meinten, direkt im Paradies gelandet zu sein und vergaßen angesichts dieser Schönheit ihre Messungen und Proben.
Da tauchte aus dem hohen Gras plötzlich eine kleine Gestalt auf. Ihre Haut war weiß wie Schnee, das silberne Haar wehte im warmen Wind und ihr zierlicher, ebenmäßiger Körper war nur von zarten, weißen Schleiern umhüllt. Die Forscher waren sich einig, daß noch niemand von ihnen ein derart wundervolles Wesen gesehen hatte, das konnte nur eine Elfe sein, kein irdisches Geschöpf konnte von so überwältigender Schönheit sein. Starr vor Staunen beobachteten die Menschen, wie sich die Elfe langsam und anmutig einen Weg durch das Gras bahnte - sie schien zu schweben und nicht zu laufen. Inmitten der losen Gruppe blieb sie schließlich stehen und musterte jeden einzelnen der Raumfahrer aus großen lavendelfarbenen Augen. Niemand wagte es auch nur ein Wort zu sagen, aus Angst, die lauten, groben Stimmen der Menschen könnten einem solch zerbrechlichen Geschöpf Schaden zufügen. Die Elfe betrachtete die Menschen noch einen Augenblick lang, dann stemmte sie die Hände in die Hüften und erhob ihre harfengleiche Stimme: "Seid wohl neu hier in der Gegend! Hab eure Visagen noch nie geseh'n. Aber na schön, habt wohl 'nen Wahnsinnstrip hinter euch. Kommt mit, ihr wollt euch jetzt sicher einen steifen Schluck hinter die Binde kippen!"
Und die Elfe führte die Menschen in ein kleines Dorf, erbaut aus blauem Holz und mit goldenen Riesenfarnen gedeckt, in dem lauter Elfenfrauen und Elfenmänner lebten, die die Fremden genauso freundlich willkommen hießen. Sie feierten eine Orgie, die drei Tage und drei Nächte andauerte, und als die Menschen schließlich völlig verkatert und erschöpft zum Schiff zurückkehrten, erstatteten sie dem Kommandanten Bericht. Der war sowohl erstaunt als auch ärgerlich, daß der Planet bewohnt war, doch sein Sternzeichen war Widder, also war er eine recht ungeduldige Natur. Er war nämlich fest entschlossen hier zu bleiben, ganz besonders auch, weil der Planet so paradiesisch war.
"Nun, was sollen wir tun? Wir sind schon seit Ewigkeiten unterwegs und alle sind wir müde. Diese friedlichen und freundlichen Feen sind weder aggressiv, noch technisch weit entwickelt. Es sind einfach wundervolle Wesen, man darf sie keinesfalls von diesem Planeten vertreiben, noch ihrer Rasse Schaden zufügen. Wir sollten zusammen in Harmonie und Frieden leben, dumm ist allerdings nur, daß die Elfen die wertvollsten Landstriche eingenommen haben, die wir doch so dringend bräuchten! Das beste wird es sein, wir siedeln sie einfach um, sie werden kaum in der Lage sein etwas dagegen zu unternehmen. Und wir haben nun mal keine andere Wahl, denn unser Auftrag ist es einen Planeten zu kolonisieren, und das werden wir hiermit tun!" , äußerte sich der Kommandant, und sofort wurden Gruppen ausgeschickt, die die Umsiedlung durchführen sollten.
Doch die Elfen bemerkten wider Erwarten schnell, daß da etwas vor sich ging. Schon am nächsten Tage organisierten sie sich zu einer gewaltigen Demo, wie sie selbst die Erdlinge noch nie gesehen hatten. Sie trugen riesige Transparente auf denen man lesen konnte: "Stop den Kernkraftversuchen!" oder :" Rettet die Regenwälder!" Und sie riefen Parolen wie: "Nieder mit dem Kapitalismus!"
Die Menschen konnten diesem Ansturm empörter Demonstranten nicht lange standhalten Die Situation eskalierte und man lieferte sich wilde Straßenschlachten. Die Menschen wurden mit Molotow-Cocktails beworfen und mußten sich am Ende gänzlich zurückziehen, bevor es zu schweren Verlusten kam.
Im Angesichte dieses Desasters blieb ihnen nichts anderes übrig, als weiterhin durch die Weiten des Weltalls zu ziehen um einen anderen Planeten zu suchen. Man verkraftete die Schlappe bald, und eigentlich konnte das ja schließlich jedem anderen Weltenwanderer passieren, alles halb so wild, kein Grund zum Verzweifeln oder so, alles in Ordnung, und überhaupt ...
Und so setzten denn die mutigen Menschen ihre lange Reise fort, trotz Bedauerns diesen wundervollen Planeten verlassen haben zu müssen. So mancher vermochte nicht mehr mit Sicherheit zu sagen ob diese oder jene Nacht im Dorf der Elfen nun tatsächlich so passiert ist, oder ob das alles nicht mehr als ein schöner Traum gewesen ist.
Doch der weite Weltraum ist zwischen den Sonnen leer und kalt, und so dauerte es viele, viele Jahre, bis das Kolonistenschiff erneut in der Nähe eines Sonnensystems war.
Endlich dann, eines wunderschönen Morgens zeigten die Sensoren dem wachhabenden Navigator, der eine einsame Nachtschicht auf der Brücke verbracht hatte, an, daß die kleine, orangefarbene Sonne ein paar Parsecs vom Schiff entfernt doch tatsächlich Planeten hatte. Der Kommandant war ob dieser Kunde auf der Stelle hellwach und als die Meßwerte dann auch noch anzeigten, daß unter diesen Planeten auch einer der von Menschen bewohnbar ist war, jubelten alle und freuten sich sehr. Diesmal wollte man jedoch nicht den gleichen Fehler wie beim letzten Mal machen. Bevor man einen Erkundungstrupp ausschickte, sondierte man den Planeten erst einmal gründlich. Doch bereits auf dem ersten Blick war zu erkennen, daß auch dieser Planet Zivilisation auf seiner Oberfläche trug, und das sogar noch zahlreicher und dichter.
Die Enttäuschung war groß, doch der Dickkopf des Kommandanten noch größer. Nochmals aufgeben kam nicht in Frage, unter gar keinen Umständen und so schickte er eine kleine Gruppe auf den Planeten, die alles über dieses Volk herausfinden sollte, und zwar so unauffällig wie möglich.
Die vorsichtigen Forscher hatten Erfolg und so konnten sie schon nach kurzer Zeit zurückkehren um ihr Wissen mit dem Rest der Besatzung zu teilen. Man fand heraus, daß auf diesem vergleichsweise großen Planeten unwahrscheinlich viele Individuen lebten, nicht einmal schlecht sogar, und man kam zu dem Entschluß, daß ein paar mehr oder weniger gar nicht auffallen würden. Der Plan war simpel, zwar waren die Kolonisten dadurch keine Pioniere und Helden mehr, die unerschrocken einen noch jungfräulichen Planeten in Lebensraum verwandelten, aber auf der anderen Seite hatte man so die ganze Schufterei vom Hals die Kolonisationen bekanntlich so mit sich bringen. Also wollten sich die Menschen ganz heimlich still und leise in dieser fremden Gesellschaft absetzen und dann eben auf diese Weise ein neues Leben beginnen. Ganz unauffällig, niemand würde es merken, und so wurden kurz darauf auch schon die Ersten auf die Oberfläche gebracht.
Es war nicht unbedingt ein paradiesischer Planet, selbst an guten Tagen verschleierte ein schweflig-grauer Schleier den Himmel und die Luft roch modrig und nach Abgasen. Doch die Bewohner lebten in unwahrscheinlichem Luxus, alle Arbeiten übernahmen die verschiedensten Roboter und so war das Leben für die Einheimischen eine einzige Riesenparty. Man lebte sich außerordentlich schnell ein und niemandem fiel etwas auf, die Kolonisten waren wirklich sehr vorsichtig.
Doch eines nicht ganz so schönen Tages passierte es dann doch. Nicht, daß irgend jemand mit dem Finger auf die Fremden gezeigt und geschrien hätte: "Ihr gehört nicht hier her!" , nein, die Einwohner waren weiter ahnungslos. Sie luden die Neuankömmlinge sogar zu ihren kulturellen Veranstaltungen ein, so daß sie bald Teil ihres reichhaltigen sozialen Lebens waren. Es begab sich vielmehr so, daß es an der Tür eines jeden Einzelnen klopfte, und wenn man die Tür dann öffnete, so wurde man von zwei riesigen Robotern überrascht die einen ohne weitere Umschweife sofort zum Hauptverwaltungsgebäude schleiften. Dort wurden sie vor einen Rat aus weiteren, wenn auch viel kleineren und zierlicheren Robotern mit silbernen Leibern gebracht. Als dann der Letzte im Saal angelangt war, begann der Vorsitzende seine blecherne Stimme zu erheben.
"Gemäß unserer letzten Zählung der organischen Bevölkerung dieses Planeten ergab sich eine Diskrepanz von 37 männlichen und 42 weiblichen Lebewesen. Da das Bevölkerungswachstum unserer Kontrolle unterliegt, kam eine planlose, ungerichtete Vermehrung nicht in Frage. Der logische Schluß ist: Eindringlinge. Wir sind als Androiden für die nicht ausreichend funktionstüchtigen Lebewesen verantwortlich, da wir leistungsfähiger, intelligenter und besser wiederzuverwerten sind. Wir fordern sie auf, diesen Planeten umgehend zu verlassen, da der bestehende Zustand von der Norm abweicht. Sie sind hier nicht registriert und katalogisiert."
Der Roboter bewegte sich die ganze Zeit über keinen Millimeter, nur seine Sensorenaugen glühten gleißend rot, und dort wo sich bei einem Menschen der Mund befand, hatte die Maschine nur einen schmalen, vergitterten Schlitz hinter dem sich ein Schallgenerator verbarg. Die Kolonisten waren sehr verwirrt, denn die Bevölkerung dieses Planeten hatte offensichtlich keine Ahnung, daß sie unter der ständigen Kontrolle von Maschinen standen, hatten doch auch sie selbst bis jetzt nichts davon bemerkt. Die Tatsache, daß man für Arbeiten Roboter einsetzte, war auch auf der Erde schon länger üblich, aber hier ging das offenbar schon so weit, daß die Bewohner ohne die Obhut der Roboter nicht mehr lebensfähig waren. Und diese erfüllten ihre Aufgabe so präzise und kalt wie es nur eine Maschine konnte.
Der Kommandant der Kolonisten bahnte sich einen Weg durch die Reihen seiner Leute und trat direkt vor den unheimlichen, künstlichen Rat. Er war gerade auf einer recht ausgelassenen Pyjama-Party gewesen, als ihn die Roboter vom Fleck wegholten und ihn genau so wie sie ihn vorgefunden hatten ablieferten. Im goldenen Seidenpyjama, das Champagnerglas in der einen Hand, in der anderen den noch immer lustlos vor sich hin qualmenden Joint.
"Ähm, entschuldigt mal, aber ich hätte da einen Vorschlag. Warum können wir nicht hier bleiben? Ich meine, O.K. , wir hatten keine Ahnung von euren Formalitäten, deshalb haben wir wohl auch einen Fehler gemacht. Tschullichung, tut uns leid. Aber wenn ihr uns einfach registrieren, katalogisieren, domestifizieren, oder was weiß ich, könnt, dann wär doch alles in Ordnung!" , meinte er, und alle Menschen pflichteten ihm bei.
"Negativ, dieses Argument ist definitiv unlogisch. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, daß dies ein typisch organischer, und damit primitiver Versuch war diese Gesellschaft zu infiltrieren. Das können wir nicht zulassen, da sonst die Integrität der Lebewesen gefährdet würde. Natürlich stellt eure Spezies keine nennenswerte Bedrohung für uns dar, doch die Bearbeitung dieser Angelegenheit würde Energie unnötig verschwenden und wertvolle Rechenzeit kosten. Der Antrag ist abgelehnt. Sie werden nun den Planeten verlassen." , schepperte die elektronisch generierte Stimme des vorsitzenden Androiden. Und damit war die Sache für die Roboter ausdiskutiert.
Die Menschen wurden eigenhändig von den Robotern zu ihrem Schiff zurückbefördert, jedoch nicht ohne, daß jeder Einzelne zuvor noch eine Verzichtserklärung unterschrieben hatte, dem Planeten unter gar keinen Umständen näher als exakt 1,38290 Lichtjahre zu kommen. Und so fand sich der Kommandant nach nur unbedeutender Verzögerung auf der Brücke seines Schiffes wieder. Immer noch im edlen Seidengewand, mit dem Champagner in der einen Hand, und in der anderen den Joint, der inzwischen unnütz auf einen Bruchteil seiner ursprünglich recht stattlichen Größe zusammengekokelt war.
So geschah es, daß die Menschen ein weiteres Mal auf der Suche nach einem Planeten waren auf dem sie endlich ihre wohlverdiente Ruhe finden konnten. Viele vermißten schon jetzt das sorgenfreie Leben, die Partys, die Saufgelage und wüsten Orgien, sogar die Vormundschaft der Roboter wäre nebensächlich gewesen. Doch so flogen sie denn weiter durch die endlose, schwarze Weite die man das Universum nannte. Ach, so viele hatten jede Hoffnung bereits aufgegeben und alle waren niedergeschlagener und verzagter denn je. Ebenso der zuvor noch so tatkräftige und entscheidungsfreudige Kommandant, der vor Aktivität stets zu bersten schien. Er vernachlässigte zusehends seinen Posten und wurde zu einem Schatten seiner selbst. Viele, viele Jahre flogen sie ohne einen richtigen Kurs gehalten zu haben, bis die Nachricht die Runde machte, daß man erneut auf ein Sonnensystem in Reichweite gestoßen war, auf das man nun so schnell wie möglich zusteuerte. Und - oh Wunder - auch dieser Stern war mit reichlich Planeten gesegnet, einer davon, womöglich zwei in der Zone die es einem Planeten ermöglichte eine erdähnliche Atmosphäre zu entwickeln. Der kummervolle Kommandant erwachte zu neuem Leben und begann bereits emsig die bevorstehende Übersiedlung vorzubereiten. Er wußte, dies war nun das endgültige Ziel ihrer ach so langen Reise, jeder an Bord spürte das, und diese Gewißheit war noch stärker als bei den anderen Planeten zuvor, das konnte nur ein gutes Omen sein!
In der Tat, auch diesmal fand sich ein Planet unter der reichen Schar, auf dem es sich durchaus überleben ließ. Doch das Schicksal spielte ein grausames Spiel mit den arg gepeinigten Raumfahrern, denn es stellte sich sehr schnell heraus, daß auch dieser Planet bevölkert war. Zwar hinterließ das einen allzu bitteren Nachgeschmack bei den erschöpften Eroberern, aber dennoch fühlte man, endlich am Ziel zu sein. Und so stand ein weiteres Mal fest, daß man auf dem Planeten bleiben würde, obgleich man aus seinen früheren Fehlern gelernt hatte und sich zu einer gänzlich neuen Vorgehensweise entschied.
Langsam trieb der große Raumkreuzer immer näher an den Planeten heran, der nur ein klein wenig größer zu sein schien als die gute alte Erde. Die Lufthülle schimmerte in einem warmen rosaton, und auch die Oberfläche schien eine pinkfarbene Tönung zu haben. Die Kolonisten waren fasziniert, denn trotz allem was sie bisher schon erlebt hatten, so etwas hatte noch keiner gesehen. Vorsichtig sondierten sie die Oberfläche und sahen sich Bilder von einer der größten Städte an. Was für ein wunderliches, aber doch herrliches Völkchen mußte hier leben! Schlanke Türme und zierliche Minarette, kunstvoll verzierte Prachtbauten und Paläste, reich geschmückte Villen und üppig bemalte Anwesen zierten den Anblick der Stadt. Zugegeben, es sah eigentlich eher entsetzlich kitschig aus, aber es war zweifellos guter Geschmack auf dem Planeten, alles mit goldenen und silbernen Schnörkeln zu verzieren und jeden Zentimeter bonbonfarben anzumalen. Man würde sich eben daran gewöhnen müssen.
Der Kommandant nahm alsbald Kontakt auf und konnte nach nur kurzer Wartezeit mit dem Präsidenten sprechen.
"Werter Präsident, wir kommen aus einer Welt, undenkbar weit weg von dieser. Wir sind ausgezogen um einen neuen Lebensraum für unser kleines Grüppchen zu suchen, doch wir scheiterten erbärmlich daran, eine noch unbewohnte Welt zu finden. Deshalb ersuchen wir sie um Asyl auf ihrem herrlichen Planeten. Bitte, weisen sie uns nicht ab, denn wir sind müde und ohne Kraft, noch weiter zu reisen. Es wäre unser aller sicherer Tod!" Diese gefühlsbeladene Rede, die eine kleine Chemikerin unter den Kolonisten eigens für den Kommandanten geschrieben hatte, da bekannt war, daß sie in ihrer Freizeit mit Hingabe phantasievolle Liebesromane schrieb, traf offenbar den Präsidenten sehr. Der erste wirkliche Erfolg für die bisher glücklose Hobbyautorin, denn er zog ein kleines, rosa Taschentuch aus seinem fliederfarbenen Satinhemd um die Tränen zu trocknen, die lautlos seine Wangen heruntergerollt waren.
"Nein, das ist aber auch traurig! Wie könnten wir euch abweisen! Aber nein, das wäre grausam! Ihr seid natürlich willkommen hier. Ich freue mich schon auf das frische Blut, daß ihr in unsere bescheidene Gemeinschaft bringen werdet!" , meinte der Präsident zutiefst bewegt, und bedachte den Kommandanten, der eigens zu diesem Anlaß seine beste Uniform angezogen hatte, zusammen mit den schneeweißen Handschuhen, mit einem eingehenden Blick.
Diesmal würde also endlich alles gut werden, die Kolonisten hatten sich diesmal nicht geirrt und ein großer Seufzer der Erleichterung fuhr durch das ganze Schiff. Auf der Brücke befand man sich alsbald in einer euphorischen Hochstimmung, da lag es nun endlich vor ihnen, das Ziel all ihrer unvorstellbaren Mühen. Die braunhaarige Navigatorin, die heute Dienst hatte wollte sich sogar persönlich bedanken, sie fühlte sich förmlich trunken vor Glück, und sprang kurzentschlossen vor dem Kommandanten ins Blickfeld des Präsidenten.
"Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie glücklich ich bin! Ich möchte sie küssen!"
Doch plötzlich veränderte sich der sonst so sanftmütige Gesichtsausdruck des fliederfarben gewandeten Präsidenten. Ein schriller, häßlicher Kreischer entfuhr seiner Kehle, bevor er mit zittriger, brüchiger Stimme die Worte wiederfand.
"Eine Frau! Eine Frau! Das ist eine Falle! Sie gemeiner, hinterhältiger Fiesling! Das ist eine heimtückische Invasion! Wie konnten sie uns das antun! Eine Frau! Das gibt Krieg!" Und dann brach der Präsident in Tränen aus. Sekundenbruchteile später wurde die Verbindung jäh getrennt. Auf der Brücke starrten sich der Kommandant und die Navigatorin verwirrt an, während sie sich noch den Kopf darüber zerbrachen, was denn das alles zu bedeuten hatte.
Wenig später schrillten auch schon die Alarmsirenen des Kolonistenkreuzers. Die eigenartigen Einheimischen des pinkfarbenen Planeten griffen mit wendigen, kleinen hellblauen Kampfschiffen an und nahmen den großen Kreuzer unter Beschuß. Die Menschen waren weitgehend wehrlos, da ihr Schiff nur über leichte Waffen verfügte. Die Schlacht dauerte fast eine Stunde lang, und die Planetenbewohner hätten das Schiff leicht zerstören können, wenn sie gewollt hätten, doch sie feuerten nur auf relativ unwichtige Teile, so daß es ziemlich unbeschädigt blieb, mal abgesehen von den häßlichen Brandlöchern in der Außenhaut.
Schließlich kontaktierte sie eines der angreifenden Schiffe, welches ein wenig größer als die wendigen Kampfgleiter war. Auf dem Bildschirm erschien ein blonder Schönling von fast femininen Gesichtszügen, der eine übertrieben üppig verzierte rosa Uniform trug.
"So, Schätzchen, das da waren Warnschüsse! Bewegt also eure süßen kleinen Ärsche mal husch-husch aus dem Sonnensystem raus und nehmt ja diese Weibsbilder mit. Also los doch, zieht Leine! Und wehe ihr kommt wieder, dann versohle ich euch eure rosigen Hinterteile!" Und so blieb den arg enttäuschten Kolonisten nur ein weiteres Mal die Flucht.
Es war, als wäre die gesamte Besatzung von einer kollektiven Depression befallen. Die weitere Reise verlief still und plan-, ziel- sowie lustlos. Wohin also nun? Die Menschen hatten keine Hoffnung mehr, denn sie wurden allesamt langsam alt und grau. Da waren sie also ausgezogen um einem toten Universum Leben zu schenken, und fanden es am Ende erstaunlich reich bevölkert vor. All die hehren Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Wohin die weitere Reise geht, wird wohl niemand jemals wissen.
Und wenn sie nicht gestorben sein werden, so werden sie auch in ferner, ferner Zukunft noch weiterhin durch den schwarzen, kalten, trostlosen Weltenraum fliegen.