
Gestern Nacht. Ich lag in meinem Bett. Es war bereits recht spät, und die rotglühenden Ziffern des Radioweckers neben mir gaben Zeugnis davon wie es Minute um Minute auf den nächsten Tag zuging. Ich beobachtete starr den regelmässigen Wechsel der Ziffern, von 1 zu 2 zu 3 zu 4 ... bis wieder zehn Minuten vergangen waren, und irgendwann eine Stunde. Und dann weiter und immer weiter.
So schwebte die Zeit davon und lies mich alleine in der Dunkelheit der Nacht zurück wo ich mich alsbald von einer Seite zur anderen wandte, das schwach bläulich leuchtende Rechteck des Fensters betrachtete, den Kopf tief in das Kissen vergrub und mich schließlich wieder der Anzeige des Weckers widmete.
Mein Geist war voller Gedanken in denen ich ziellos umherirrte. Nein, nicht wirklich ziellos, da ich das Ziel eigentlich ganz genau kannte, und ich kannte auch dieses Labyrinth nur zu gut in dem ich mich befand. Ich kannte jeden einzelnen Winkel, jede Wegkreuzung, oft genug auch jeden einzelnen Stein der auf dem Boden. Aber dennoch konnte ich keinen Ausweg finden, bewegte mich nur im Kreis und lief stets auf den selben Wegen umher. Doch nirgends schien es ein Ende zu geben und alles schien sich ständig nur rundherum zu drehen um das was ich zu finden hoffte.
Nun ist die Zeit ein ungeduldiger Gefährte und so schreitet sie unbeirrt weiter während ich über die Steine auf dem Weg stolpere und in meinem Labyrinth umherirre.
Wieder einmal scheint es als ob all das was ich bisher getan habe umsonst gewesen sei da es keinen Sinn hatte mich auf meinem Weg weiter zu bringen. Doch trotzdem, so nutzlos es auch allen erscheinen mag, ich bin stolz auf all das auch wenn es mir keinen verborgenen Gang zum Ziel eröffnet haben mag, und auch wenn sonst niemand gesehen haben mag, all das bin ich, und so fühle ich mich ganz und zu Hause. Auch wenn, nein, gerade weil ich hier bin, in meinem Labyrinth. Niemand kann mir etwas davon nehmen, und niemand gibt mir etwas. Keine Zeit sich selbst zu betrauern. Und so wende ich mich zum wer weiß wievielten Male um und muß meine Gedanken weiterdriften lassen, obgleich ich lieber alles hinfortgewischt hätte, vergessen und vergeben im Schlaf der so weit entfernt war wie der silberne Mond der sich inwischen in das Rechteck des Fensters gedrängt hatte
Es scheint als bliebe mir nichts außer zu beobachten wie sich der Himmel von Schwarz über alle nur erdenklichen Blautöne zu Kupfer, Gold, Silber und wieder zu strahlendem Blau erhellt und die Sterne langsam verblassen bis die Sonne hell über dem Horizont erstrahlt und ein neuer Tag beginnt.