Zuerst einmal - Korsettbau ist weniger schwer als man denken könnte. Man sollte allerdings ziemlich exakt arbeiten können - und auch wollen ;) Unsauberkeit rächt sich beim Korsett nämlich sehr, daher sollte man vielleicht kein totaler Nähanfänger sein.
Die eigentliche Kunst des Korsettbauens ist die Anpassung. Hier braucht man ein bisschen Erfahrung und ich persönlich halte es für keine gute Idee einen Korsettschnitt ohne jegliche Erfahrung sofort selbst zeichnen zu wollen. Ein Korsett muss exakt sitzen, darf nirgends drücken oder so eng sein daß es derart unangenehm wird daß man es nicht wirklich drin aushalten mag. Wer meint, Korsetts sind immer unangenehm zu tragen der hat entweder noch nie eines angehabt oder nur Modelle die schlichtweg nicht passen.
Man darf auch nicht vergessen daß es natürlich auch eine Sache des individuellen Körperbaus ist sowie der Trage-Vorlieben. Der Eine mags vielleicht schön knackig eng, der Andere schnürt sich lieber nur ganz wenig. Zudem können Damen die eher kräftig gebaut sind aus dem Stand mehr wegschnüren als schlanke Leute. Zum Schluß ist noch ausschlaggebend wie viel Trage-Erfahrung man mit Korsetts schon hat und wie oft man sowas trägt, ob man vielleicht sogar auf eine bestimmte Taillenreduktion hinarbeiten möchte oder "nur" was nettes zum Ausgehen haben will.
Auch als Gelegenheits-Träger sollte man sich da Gedanken drüber machen denn ein nicht richtig sitzendes Korsett kann recht unangenehm werden ;) also lieber zwei Probeteile zu viel machen als zu wenig.
Es kann durchaus auch vorkommen daß das erste Korsett noch nicht so gut wird wie man vielleicht wollte, davon bitte nicht abschrecken lassen ;) , sicherheitshalber sollte man aber nicht den allerteuersten Lieblings-Stoff für das erste Werk verballern, die Metall-Teile kann man im Zweifelsfalle wiederverwerten. Ich spreche da durchaus aus Erfahrung ;) denn mein erstes Korsett existiert auch schon lange nicht mehr ...

Was man an Näh-Technik aber unbedingt können sollte:
Gerade Nähte produzieren
Schrägband annähen (wird nicht erklärt hier)
im Allgemeinen sehr sauber und exakt arbeiten (da werd ich weiter drauf rumreiten ;) )

Wer oben genannte Dinge problemlos hinbekommt kann sich auf jeden Fall ans Korsett-Nähen wagen.

Diese Anleitung soll sich hauptsächlich mit den Zusammennähen befassen. Deswegen behandel ich das Anpassen nur soweit nötig. Das ist eine recht individuelle Angelegenheit die bei den ersten Versuchen durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Da nicht jeder Körper gleich ist gebe ich nur die Erfahrungen weiter die ich selbst nach etlichen Korsetts gesammelt habe.
Manche Passform-Fehler findet man auch erst nach ein paarmal Tragen heraus. Ein Korsett ist eben kein Kleidungsstück wie jedes andere ;)
Verbesserungsvorschläge werden gerne entgegengenommen falls was unklar ist. Ihr könnt mich gerne fragen, ich freue mich über jede Resonanz :)

Klick macht Bilder in groß in einem neuen Fenster auf :)

Dann gehts mal los:


Man nehme:


Achtung! Die Materialangaben richten sich nach meiner Größe, (Minimale Taillenweite des fertigen Korsetts: 51-56cm, ist ca Gr. 6 bei amerikanischen Schnitten, teilweise noch kleiner), sind aber dennoch großzügig angegeben.

Als Oberstoffe eigenen sich Materialien die nicht zu dünn sind und halbwegs stabil, einen gewissen Stand sollten die Stoffe auch haben. Zwar wird die meiste Spannung vom Zwischenfutter getragen, aber auch der Oberstoff bekommt noch eine gewisse Belastung ab. Zu flimsiger Stoff ist in der Verarbeitung auch nicht gerade ein Vergnügen und führt zu Faltenbildung die man an einem guten Korsett möglichs wenig bis garnicht haben sollte. Elastisch sollten keine der verwendeten Stoffe sein. Von Unterbügeln mit Vliseline bin ich garkein Freund denn das Zeug kann sich unter der Belastung durchaus wieder vom Stoff ablösen!
Empfehlungen: Duchesse (eine sehr feste Satin-Art),Seiden-Taft, Doupion-Seide, Polyester-Taft (da gibt es auch recht dünne Stoffe, Finger weg davon!), fester Jaquard und Brokat, Leder (ist durchaus auch historisch korrekt ;) ), Lederimitat, Lack (fest und nicht elastisch), schöne Jeansstoffe, Cord, Baumwollsamt ... je nach Einsatzwunsch.

Stoffe und Bänder:

  • Oberstoff: 50-60cm (abhängig von Schnitt und Größe), bei 150cm Stoffbreite.
    In diesem Fall: schwarz-goldener China-Brokat
  • Zwischenfutter: ca 1m fester Baumwollköper, oder Jeansstoff. Auf keinen Fall elastischen Jeansstoff oder dünne Baumwolle verwenden! Wer es richtig heftig professionell machen will der besorgt sich Coutil. Naturmaterialien sind am Besten.
  • Futter: ca 40-50cm leichtere Baumwolle oder Leinen. Naturmaterialien sind am Besten.
  • Für das Taillenband: Baumwoll-Nahtband, 3cm breit, einmal die Taillenweite lang. Ich leg gerne das Taillenband doppelt, in dem Fall braucht man zweimal die Taillenweite.
    Das Taillenband ist notwendig weil beim Korsett die grösste Zugkraft auf der Taillen-Linie lastet. Das Band nimmt zusätzlich Zug auf und entlastet den Stoff damit. Auf keinen Fall weglassen!
  • Baumwoll-Nahtband, 2cm breit, ca 7-8m.
    Damit werden die Tunnel für die Stäbe auf das Futter gesteppt. Bei 9mm Stahlfeder könnte man auch 1,5cm breites Band nehmen, aber da muss man schon arg knapp an der Kante des Bandes steppen und vor allen Dingen haarscharf genau nähen. Die Bänder müssen farblich nicht zum Stoff passen, man sieht sie später nicht mehr. Eine kontrastierende Farbe kann aber beim Nähen hilfreich sein.
  • Satinschrägband, ca 2m (bzw einmal Oberweite und einmal Hüftweite)
  • Korsettschnur, ca 6m lang. Größere Größen müssen ein wenig mehr einplanen. Es gibt Schnur aus Polyester und Baumwolle, beides hat vor- und Nachteile, ich sag dazu am Ende der Anleitung mehr.
  • Schrumpfschlauch, transparent. Der dient dazu daß die Enden der Korsettschnur nicht auffasern.

Metall:

  • Eine Schachtel Ösen mit Scheiben, 5mm groß. Keine anderen Ösen nehmen! Welche ohne Scheiben reißen leicht aus und auch kleinere Ösen mit Scheiben haben einen zu schmälen Rand.
  • Flachstahl, 11mm breit, ca 3m, und die Endkappen dazu (ca 20 Stück), keine Annäh-Laschen sondern U-förmige Endkappen!
  • Spiralfeder, 9mm breit, ca 5m und die dazu gehöhrigen Endkappen.(ca 40 Stück)
  • Planchette bzw Korsettschließe (in anderen Worten ;) ), 32cm lang. Hier wird eine gerade, massive Edelstahlplanchette verwendet. Die Luxusklasse wäre eine sogenannte Löffelplanchette die am unteren Ende breiter zuläuft und in Richtung Bauch vorgebogen ist - wie ein Löffel. Dadurch bietet diese Planchette im Bauchbereich mehr Halt und drückt ihn effektiver flach. Sind allerdings nicht ganz billig ;)
    Bitte nehmt nicht die schlabbrigen Wigona-Schließen nur weil die billig sind, die taugen nur was für Corsagen oder allenfalls kurze Taillenkorsetts. Wirklich! Wenn ihr ein Zierkorsett machen wollt gehen die Dinger sicher auch noch aber für alles andere sind die Teile zu schmal und zu weich! Klar kann man die mit Unterplanchetten verstärken, muss man aber nicht wenn man gleich was anständiges nimmt ;). Für Test-Korsetts kann es aber hilfreich sein eine solche bei Hand zu haben.

Werkzeug:

Neben einer ganz gewöhnlichen Nähmaschine braucht man noch ein paar Hilfsmittel zum Schneiden des Metalls und andrücken der Endkappen:


Der Schnitt:


Für dieses Korsett nehme ich den Silverado-Schnitt aus der Packung LM100. Die grundsätzliche Konstruktion des Korsetts ist aber für die meisten Korsettschnitte gleich, also kann man auch einen anderen Schnitt nehmen und sich dennoch an meiner Anleitung orientieren.

Da bei gekauften Schnitten das Papier so verdammt poplig ist empfehle ich den Schnitt auf Folie oder Pergamentpapier durchzupausen, natürlich in der richtigen Größe ;) .
Ich hatte dazu einmal eine farbige, aber transparente Folie zum Bücher einbinden, die hält was aus, auch bei mehrmaligem Zuschneiden, später auch das bekannte Pergamentpapier zum Schnitte abpausen.
Durchrädeln ist auch eine Möglichkeit, allerdings nur dann wenn man das pingelig genau hinbekommt. Beim Korsett rächt sich schon ein einzelner Millimeter wenns dumm zugeht, also immer so exakt wie möglich arbeiten!

Dazu muss man noch wissen daß bei den meisten gekauften Schnitten (LM, Butterick, ...) die Maße auf der Packung für das komplett geschlossene Korsett gelten. Da so ein Korsett aber ja dazu gut ist die Taille zu reduzieren (egal obs nur ganz wenig ist oder richtig heftig) muss man dort weniger Umfang als man normal hat einplanen wenn man das Korsett später Kante an Kante zubekommen will. Oder eine zusätzliche Lücke zum Schnüren lassen die dann geschnürt genau parallel sein muss.
Ich hab gerne Lücke und gehe im Weiteren auch davon aus.
Wer wirklich nur ganz wenig schnüren mag dem empfehle ich an Hüfte und Oberweite 10cm und in der Taille 13-14cm Lücke. Hört sich nach massig viel an, aber das Korsett soll ja wie gesagt hier eine gleichmässige Lücke bekommen.. Also das Korsett auf jeden Fall 2 Größen weniger zuschneiden als man laut Tabelle der Packung hat.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen daß diese 10cm wirklich nicht viel sind. Die Stoffe werden sich bei Belastung noch mehr oder weniger dehnen, wie viel kommt auf das Material an sich an und wie stabil es ist, und auch auf die Anzahl der Lagen. Meine Korsetts haben ca 15-18cm Lücke (an der Taille!). Ich schnüre nicht viel weg (eben zwischen 5 und 8 cm) ... trotzdem ist das meiner Erfahrung bislang genau ideal für jemanden mit Grösse 34/36 wenn man nur mässig reduzieren will.
Stärker gebaute Damen können von vorne herein mehr einrechnen.
Hier ist es eine Erfahrungssache wie viel man verträgt und wie sich die Stoffe verhalten, das kann man pauschal nicht für alle Figuren definitiv sagen.
Wer eine extremere Körperform erzielen möchte kann an der Taille noch mehr Lücke lassen, oder sogar extra Keile an der Hüfte einsetzten, so wie die Brustkeile beim verwendeten LM100 Silverado.

Also, weiter im Text. Zuerst kommt das Schnitt-rauszeichnen dran. Dazu gehe ich zuerst nur nach der Taillenweite vor. Ich nehme das normale Taillenmaß und ziehe davon die gewünschte Lücke ab die sich aus der Reduktion (bei mir: 5-8cm) und der resultierenden Lücke ergibt (10cm), also sagen wir mal 15 cm. Das resultierende Maß rechne ich in inches um (weil die meisten kommerziellen Schnitte aus USA kommen und damit das imperiale Maß-Systhem verwenden) - also geteilt durch 2,54.
Dann suche ich mir auf der Packung die Größe aus die zu diesem Taillenumfang passt. Im Zweifelsfall die Nummer nehmen die größer ist als der errechnete Umfang und dann im Schnitt wieder wegnehmen - macht die spätere Form etwas sanduhriger :)
Diese Größe zeichne ich dann raus, aber auf dem Papier/Folie die Teile nicht allzu eng beisammen abzeichnen, für etwaige Änderungen. Noch nicht ausschneiden!

Danach messe ich Oberweite, Unterbrustweite und Hüftweite (aber nicht ganz unten auf der Hüfte, sondern etwa auf Höhe der rausstehenden Beckenknochen. Die LM-Schnitte reichen ca bis dahin. Wer einen kürzeren Schnitt hat sollte auf dem Bogen zB an einem Seitenteil die Taillenlinie suchen, von da abmessen wie lang es bis zur Unterkante des Korsetts ist, das Ganze bei sich runtermessen und an der Stelle dann den Hüft-Umfang messen.). Von diesen drei Maßen wird noch die Schnürlücke abgezogen (10cm)
So, dann braucht man ein Blatt Papier, Stift, Taschenrechner und Maßband. Jetzt misst man die gleichen Maße im abgezeichneten Schnitt nach. Logischerweise braucht man die halbierten Maße, da die abgemalten Schnitt-Teile ja nur eine Korsett-Hälfte darstellen.
Ausserdem muss man einrechnen daß der Schnitt die Nahtzugaben bereits enthält. Also 1,5 cm pro Kante, bzw 3cm pro Paneel weil ja jedes Paneel zwei Kanten hat. Beim Silverado komme ich auf 6 Paneele an Hüfte, Taille und Unterbrustweite, macht 18cm die ich noch dazuzählen muss. Bei der Obwerweite hab ich noch je zwei Brustkeile pro Seite, macht 8 Teile mit 21cm die ich dazuzählen muss. Wer ein 5-paneeliges Korsett macht hat es einfacher und braucht bei allen Maßen stets nur 5x3=15cm dazuzählen.
So, wir waren beim Nachmessen stehengeblieben. Schreib am besten auf welchen Wert die jeweiligen Maße im Schnitt haben sollen (also mit aufgerechneter Nahtzugabe und den ganzen vorher beschriebenen Rechnungen) und daneben die tatsächlich gemessenen Werte. Am besten ein paarmal messen für den Fall daß was schiefgegangen ist.
Wenn die Werte im Schnitt von den Soll-Maßen abweichen, schreib das am besten wieder daneben wie viel und ob zu groß oder zu klein.

Danach gehts ans Umzeichnen des Schnittes.
Dabei muss man noch ein paar Sachen beachten. Wenn die Taille kleiner gezeichnet werden soll, immer nur an den Seitennähten. Bei 5-paneeligen Schnitten hat man 2 Nähte zur Verfügung, beim 6-paneeligen Silverado nur eine. Soll die Taille größer werden, dann gleichmässig über mehrere Paneele verteilen und über die ganze Kante entlang anzeichnen, nicht nur an der Taille.
Braucht man mehr Weite an der Hüfte, so trägt man das zu 2/3 ebenfalls in den Seitenteilen an und lässt die Zugabe zu Taille hin glatt auslaufen, den Rest verteile ich über die hinteren Paneele. Hüfte verkleinern würde ich gleichmässig über alle Paneele und zur Taille auslaufen lassen. Wer die Sanduhr-Form nicht zu arg abschwächen mag nimmt an den Seitennähten nichts oder nur wenig weg. Braucht man sehr viel mehr Hüftweite kann in den Seitennähten an der Stelle auch Keile einsetzen.
Oberweite und Unterbrustweite am besten in den vorderen Teilungsnähten vergrößern. Wenn verkleinert werden muss, dann auf mehrere Paneele gleichmäßig verteilen.
Am Ende nochmal nachmessen ob der Schnitt wirklich die Soll-Maße hat. Und wenn alles passt kann ausgeschnitten werden.
Sorry, ich weiß daß sich diese Umrechen-Anleitung sicher etwas wirr anhören mag für jemanden der noch nie sowas gemacht hat. Das meiste ist eh rumprobieren und immer wieder messen. Zur Not fragt mich einfach :) ... ausführlicher möchte ich es an der Stelle nicht beschreiben, das meiste ist - wie gesagt - Erfahrung und jeder Körper ist etwas anders gebaut.

Danach ist es am sichersten ein Probeteil zu machen. Man kann das entweder ganz einfach einlagig aus einem billigen, aber dicken Stoff machen, das Teil dann testweise um den Körper legen und ein freiwilliges Opfer dazu bringen, im Rücken nachzumessen ob die gewünschten Schnürlücken so groß sind wie sie sollen, oder man macht sich etwas mehr Mühe, näht die Nahtzugaben einmal um und steckt provisorisch Stäbe rein. Dazu kann man auch eine Test-Schnürösenleiste machen, die hinten probehalber mal annähen und einmal wirklich zuschnüren.
Probeteile können gerade beim Korsett extrem hilfreich sein und wer sich nicht ganz sicher ist sollte sich wirklich die Mühe machen ein Test-"Korsett" mit Stäben (müssen nicht so viele sein wie im richtigen Korsett) zu machen da man so besser sehen kann wie sich da Korsett geschnürt in etwa verhalten wird.

Im Prinzip empfehle ich, an der Taille im Zweifelsfall einen cm zu klein zu machen, dafür darf es an den anderen drei Maßen ruhig ein cm mehr sein. Schließlich soll die Taille reduziert werden und nicht der Rest. Wird der Brustkorb zu eng eingeschnürt bekommt man logischerweise keine Luft, das Ganze kann unangenehm auf die Rippen drücken und sogar regelrechte Druckstellen hinterlassen.
Ist die Hüftweite zu knapp bemessen kann das Korsett auf die Hüftknochen drücken und/oder sogar der Allerwerteste einschlafen (ja, ich spreche auch hier wieder aus Erfahrung ;)) .
Dabei meine ich jetzt nicht speziell Dauertragen, auch wenn man nur gelegentlich im Korsett steckt wird das meistens länger als eine halbe Stunde sein daher sollte man das Anpassen wirklich sorgfältig machen.

Hier einmal der umgezeichnete Schnitt für das Korsett.
Ich rate dazu die Schnitt-Teile so zu kennzeichnen daß man sich später gut darauf zurechtfindet. Ich nummeriere die einzelnen Teile durch, mache ein Kreuz auf die untere Kante, zusätzlich nummeriere ich die Teilungsnähte durch mit Buchstaben, da wo sie aufeinander gehören. Bei den Brustkeilen übernehme ich die Passzeichen aus dem Schnitt. Zwischen Paneel 2 und 3 gehört ebenfalls ein Keil dazwischen.

Wenn der Schnitt angepasst ist kanns gleich weitergehen zum Zuschnitt.


Der Zuschnitt:


Beim Zuschneiden sehr exakt arbeiten! Wie bereits gesagt ist im Papierschnitt die Nahtzugabe schon enthalten, also einfach genau an den Papierkanten entlang sägen. Wer einen Rollschneider besitzt kann sich hier glücklich schätzen ;)

Die Reihenfolge ist zwar mehr als egal, aber ich fange meistens mit dem Zwischenfutter an. Das wird aus dem Baumwoll-Köper respektive Jeansstoff geschnitten, und zwar pro Paneel 4 Stück, bzw pro Korsetthäfte 2 Teile da das Korsett zwei Lagen Zwischenfutter haben wird. Die Brustkeile müssen 8-mal ausgeschnitten werden - 2 Keile pro Hälfte, 2 Lagen und natürlich zwei Korsetthälften ;) (wer einen Schnitt ohne diese Keile hat muss logischerweise auch keine zuschneiden ;)).
Dann der Oberstoff: dazu brauchen wir 2 jeweils gegengleiche Teile pro Paneel - also für beide Hälften ... wer einen Stoff mit Muster verwendet muss da ein bisschen aufpassen daß das Korsett am Ende gleichmässig aussieht. Bei Stoffen mit Muster kann es sein daß mehr Material benötigt wird. Brustkeile brauchen wir insgesamt, also 2 für jede Seite :).
Für das sichtbare Futter schneidet man die vorderen und hinteren Mittelteile (also da wo vorne die Schließe sitzt und hinten die Schnürung) noch je zweimal aus Oberstoff zu, die restlichen Teile aus dem dünneren Baumwollstoff je zweimal (Brustkeile: viermal).
Wenn man mit Zuschneiden fertig ist hat man ne Menge Teile: beim Silverado sinds 64 Teile mit allem Drum und Dran, und die werden jetzt vernäht ...
Zunächst ebr ein Bild von dem was wir jetzt haben:

Hier sieht man dann den fertig zugeschnittenen Oberstoff (obere Reihe) mit einer Lage Zwischenfutter. Diese beiden Lagen werden im nächsten Schritt als Eine verarbeitet.
Auf dem Bild fehlen die drei Rücken-Paneele, die haben nicht mehr mit in das Bild gepasst.

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Und hier dann die zweite Lage Zwischenfutter und das sichtbare Futter aus schwarzem Köper. Die beiden vorderen Mittelpaneele sind auch aus Oberstoff zugeschnitten, analog zum Besatz bei herkömmlichen Kleidungsstücken.
Es fehlen aus Platzgründen wieder die drei Rückenpaneele.

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Nähen:


Jetzt geht es an den Zusammenbau. Hier zeigt sich nun ob man Fehler gemacht hat.

Beim Zusammennähen fängt man beim vorderen Mittelteil an und steckt das Paneel welches da dran gehört (eine schlüssige Kennzeichnung verhindert Verwirrungen, bei sowas geht das schnell) erstmal mit Nadeln an. Hier wieder ganz sorgfältig anstecken , immerhin werden zwei Stofflagen als eine verarbeitet, sprich Oberstoff und einmal Zwischenfutter. Man legt also den Oberstoff rechts auf rechts an der Teilungsnaht aufeinander und drumrum die dazu passenden Teile vom Zwischenfutter. Macht insgesamt 4 Lagen Stoff. Wie ich schon sagte, ganz exakt Kante auf Kante stecken. Wer Bedenken hat daß das ganze beim Nähen wegrutscht, der kann die Teilungsnähte vorher noch heften oder auch einmal Zwischenfutter und Oberstoff (respektive Futter) einmal rundrum zusammenzäckeln - per Zickzack an der Nähmaschine oder Overlock. Die Methode ist wurscht, eigentlich müssen die Korsett-Paneele nicht verzäckelt werden, dieser Schritt dient im Zweifelsfall nur der Arbeitserleichterung beim Zusammennähen.
Wenn die beiden Teile soweit aufeinendergesteckt/geheftet/gezäckelt (wie es euch besser taugt) sind, werden die Teile zusammengenäht, und zwar im Abstand von exakt1,5 cm.
Die gleiche Geschichte wird bei allen Paneelen und Teilungsnähten wiederholt.
Die Brustkeile beim Silverado werden als erstes an die jeweiligen Paneele genäht, noch bevor die Paneele aneinander gebaut werden. Die Nähte müssen sofort abgesteppt werden, sonst hat man beim Anbau des dort rangehörenden Paneels ein Problem!
Anschließend baut man das Futter und die zweite Lage Zwischenfutter auf die gleiche Weise zusammen, am Ende hat man dann 4 Korsetthälften.

Als nächstes werden die Nähte ausgebügelt, zuerst einmal auseinander und anschliessend bügelt man beide Nahtzugaben auf eine Seite um, und zwar zur hinteren Mitte. Dadurch daß man zuerst die Nahtzugaben auseinanderbügelt und danach erst beide zusammen zu Seite weg ist meiner Meinung nach die exakteste Lösung, wenn man versehentlich ne Falte einbügelt und das im nächsten Schritt nicht merkt kann das ziemlich schlecht sein ... wie gesagt, bei Korsettern rächt sich jeder Millimeter.
Jetzt werden die Nähte von der rechten Stoff-Seite her noch einmal abgesteppt. Das hilft vor allem daß das Korsett stabiler ist weil der Zug später nicht nur auf der Teilungsnaht lastet sondern auf zwei Nähte verteilt wird.

Hier sieht man die beiden fertig genähten und abgesteppten Hälften des Oberstoffes, einmal von Innen und einmal von aussen.

Und die beiden Hälften des Futters, komplett genäht und abgesteppt. Von Innen sehen sie genauso aus wie die Oberstoff-Teile innen aussehen. Wie bereits beim Zuschnitt gesagt sind das vordere und das hintere Mittelteil ebenfalls aus Oberstoff damit an den vorderen und hinteren Mittelkanten des fertigen Korsetts das Futter nicht vorspitzen kann (was erst so richtig ärgerlich ist wenn das sichtbare Futter eine andere Farbe als der Oberstoff hat).


Schließe, Part 1:


I Der nächste Schritt ist nun die Oberstoff-Hälften mit den passenden Futter-Hälften zusammenzunähen. Dabei muss man beachten in welche Hälfte das Ösen-Teil der Planchette kommt.
Bei den ersten 2-3 Korsettern verbiegt man sich dabei garantiert noch mehr oder weniger das Hirn, und oft genug bauen Anfänger die Planchette falsch herum ein. Mit ein bisschen logischem Denken wird man aber feststellen daß die Planchette nur auf eine einzige Art und Weise eingenäht werden kann ;)
Ganz wichtig ist schonmal folgendes: Die beiden Ösen/Haken die einen engeren Abstand haben als die anderen gehören nach UNTEN!
Wer eine Löffelplanchette verwendet hat es ein bisschen leichter da der breitere, gebogene Teil unten ist (logisch) das sieht man einfach und es besteht kaum Gefahr die Schließe falsch herum einzunähen.
Daraus ergibt sich daß die Seite mit den Ösen in die rechte Korsetthälfte eingebaut werden muss (rechts in dem Fall beim angezogenen Korsett aus der eigenen Perspektive gesehen) ... überhaupt ist es sehr hilfreich sich die beiden Oberstoff-Hälften mal an den Körper zu legen und von da aus zu überlegen welches Planchetten-Teil wo reinmuss.
Also, ich fange mit der einfacheren Seite bei diesem Schritt an, der Seite mit den "Pilzchen" bzw der Haken. Beim getragenen Korsett ist das die linke Häfte, also beide Korsett-Hälften an den Köper legen, die linke beiseite legen und das passende Futter-Teil dazu raussuchen. Dabei möglichst nicht vergessen welche Kante am Korsett die Untere ist und welche die Obere! Wer ein Korsett mit Brustkeilen hat kann das einfach überprüfen (Klar, Brustkeile baut man oben ein ;) ), wer einen Schnitt ohne sowas verwendet sollte zB die Unterkante Markieren (Nadeln, Anzeichnen ...).
Diese beiden aufeinanderpassenden Oberstoff- und Futter-Hälften werden rechts auf rechts aufeinander gelegt und an der vorderen Mitte zusammengesteckt - wie bei den einzelnen Paneelen. Danach näht man die beiden Teile in der vorderen Mitte mit exakt 1,5 cm Nahtzugabe zusammen. Einfach gerade runter. Wenn man geschafft hat die beiden richtigen Hälften von Oberstoff und Futter aufeinander zu nähen kann mit der Ausrichtung der Schließe schonmal kaum was schief gehen :).
Danach werden diese Nahtzugaben sauber auseinander gebügelt, und danach wieder alle beide in Richtung Futter-Seite damit die Zugaben beim nächsten Schritt nicht im Weg sind.
Als nächstes bohrt man die Löcher für die Pilze in den Stoff. Dazu male ich mit dem Geodreieck eine parallele Linie zu der Naht die Oberstoff und Futter verbindet auf die Innenseite des Oberstoffes, und zwar im Abstand von 0,5cm. Dann lege ich die Pilz-Hälfte der Planchette rechts neben diese Linie (vorausgesetzt das aufgeklappte Korsett liegt mit der Unterkante nach unten!) mit den Pilzen nach oben. Das Korsett sollte in etwa 3cm länger sein als die Planchette, bleibt also 1,5cm Luft oben und unten, die messe ich ab und lege die Planchette genau in der Position neben die Linie. Sicherheitshalber die 1,5cm oben und unten markieren falls man beim Anzeichnen verrutscht.
Jetzt zeichne ich die Position der Pilze an der Linie an. Bitte wieder extrem exakt arbeiten! Auch hier fallen Fehlerchen auf! Am besten doppelt und dreifach überprüfen daß auch ja nichts verrutscht ist!
Wenn alles passend angezeichnet ist kommt die Ahle (respektive ein Vorstecher aus dem Werkzeugkasten) zum Einsatz. Damit bohrt man an den angezeichneten Stellen in den Stoff. Manche stanzen Löcher rein, aber das ist aus dem Grund eine schlechte Idee weil das Loch unter den Pilzen der Schließe unversäubert bleibt und weiterfransen kann. Sticht man ein Loch mit der Ahle, zuerstört man das Gewebe an der Stelle nicht sondern drängt lediglich die Fäden auseinander und es franst nichts aus. Diese Methode geht nur dann nicht wenn man Leder, Kunstleder, Lack oder vergleichbare Materialien hat, da muss man zur Lochzange greifen, aber bitte kein Loch machen daß genau so groß ist wie der Kopf des Pilzes, sondern ein bisschen kleiner, auch Leder, Lack und Kunstleder lassen sich noch soweit weiten daß die Köpfe durch das Loch passen, und die Planchette sitzt dann fester und kann nicht mehr verrutschen (ich hab aus allen drei Materialien schon Korsetter gebaut ;) )
Achtung! Bevor man das stechen anfängt bitte unbedingt nochmal nachprüfen ob man auch wirklich durch die Hälfte mit dem Oberstoff sticht! Die Pilze müssen am Ende auf der Oberstoff-Seite rauskommen!
OK, am besten ist es ein Loch zu stechen und dann sofort den ersten Pilz durchzuschieben. Je nach Gewebe wird man da ein bisschen rumfummeln müssen bis der Pilzkopf (*g*) durchgefisselt ist weil sich die Fäden natürlich wieder zurückschieben wo sie hingehören. Einfach hartnäckig bleiben ... und so jedes Loch einzeln stechen und jeden Pilz nacheinander durch den Stoff schieben.
Am Ende noch eine kurze Prüfung ob alles passt: Korsett-Hälfte um die linke Körperseite legen. Ist die Unterkante wirklich unten? Sind die beiden engerstehenden Pilze unten? Wenn beides mit "Ja" beantwortet werden kann ist alles bestens ...
Anmerkung: Es ist durchaus auch möglich die Pilz-Seite erst später ins Korsett einzubauen da man nun mit bereits im Korsett hängender Schließe weiternähen muss. Ich jedenfalls finde nicht daß sie sonderlich stört, ausserdem verhindert das daß man im Weiteren die beiden Hälften vertauscht ...
Für Löffelplanchetten-Benutzer: die Methode ist exakt gleich, man muss nur beim anzeichnen der Löcher das gebogene untere Ende flach auf die 0,5cm-Linie drücken.

Und nun weiter zu den verbleibenden Teilen. Man lege Futter- und Oberstoff-Hälfte wieder rechts auch rechts aufeinander und stecke beide Teile entlang der vorderen Mitte sorgfältig zusammen. Da aber die Ösen der anderen Planchetten-Seite an der Naht durch das Korsett gehen sollen muss man nun vor dem Nähen anzeichnen wo diese sitzen.
Diesmal zeichnet man wieder eine Linie auf das Zwischenfutter, und zwar im Abstand von 1,5 cm zur Stoffkante der beiden aufeinandergesteckten Teile. Leg die Korsetthäfte so vor dich hin daß die Unterkante unten ist, und dann legt man die Schließe wieder neben die Linie, und zwar mit den beiden engerstehenden Ösen nach unten. Ob man nun das Futter oder den Oberstoff oben liegen hat ist hier egal, Hauptsache die untere Seite der Planchette liegt auch wirklich auf der unteren Seite des Korsetts, die Ösen müssten dann zu der vorderen Mitte zeigen.
Dann zeichnet man oben und unten wieder die 1,5cm von der Stoffkante an und legt die Planchette exakt an - wie beim Pilz-Teil.
Jetzt wird angezeichnte wo die Ösen sitzen, also links und rechts neben diesen Striche abtragen. Wie das ganze dann am Ende aussieht ist auf dem Bild links zu sehen.
So, wenn alles korrekt angezeichnet ist wird die vordere Mitte zusammengenäht. Nachdem ja die Ösen durch diese Naht müssen setzt man möglichst exakt an den Markierungen ab verriegelt die Naht gründlich, überspringt dann das Stück wo die Öse durch muss und setzt genau dahinter wieder an. Das Spielchen macht man logischerweise bei jeder angezeichneten Öse.
Jetzt noch die Nahtzugaben auseinander bügeln (diesmal bleiben sie auch auseinander) und die zweite Seite der Planchette kann testweise eingeschoben werden. Als letzte Kontrolle kann man nun die beiden Planchette mit dranhängendem Korsett einmal zusammenhaken. Ist bei beiden Hälften die Unterkante auf der gleichen Seite bei korrekt geschlossener Planchette? Wenn ja, dann gratuliere ich zur erfolgreich gemeisterten vorletzten Hürde beim Korsettbau!


Die Tunnel und das Taillenband:


So, der nächste Schritt ist nun die Tunnel für die Stäbe aufzunähen. Diese Tunnel werden auf die Innenseite des Futters gesteppt und verschwinden damit im Inneren des Korsetts, lediglich die Nähte wird man später noch auf der Futterseite des fertigen Korsetts sehen.
Bei der Verteilung der Tunnel kann man so vorgehen wie es im gekauften Schnitt bereits eingezeichnet ist, muss man aber nicht. Ich verteile meine Stäbe immer frei und nach meiner Erfahrung im Korsett. Die da wäre daß es ratsam ist an den beiden Seitenteilen 2-3 (oder mehr wenn man eine größere Göße trägt) Stäbe dicht aneinander zu machen weil das Korsett im geschnürten Zustand gerade dort besonders gerne Falten wirft. Egal wie man das handhaben möchte, auf jedem Fall muss in der hinteren Mitte vor und hinter die Schnürung ein Stab - aber das wird noch gesondert erklärt.
Besonders bei gekauften Korsetts ist es so daß nur die Teilungsnähte einen Stab bekommen, für ein anständiges Korsett ist das aber zu wenig. Ich neige dazu sehr viel Metall in meine Korsetts zu stecken und ein Stab mehr ist sicher besser als einer zu wenig.
Bevor die Tunnel und das Taillenband aufgenäht werden muss das Baumwoll-Nahtband noch etwas behandelt werden, für der Fall daß jemand tatsächlich das Korsett waschen will ;) . Dazu macht man den Bänderkram unter dem Wasserhahn nass, drückt es gut aus und bügelt es anschliessend bis es wieder trocken ist - das gilt für Tunnelbänder und Taillenbänder gleichermassen.

Zuerst stecke ich alle Tunnelbänder auf die Innenseite des Futters auf. Dabei fasse ich das Taillenband unter den Tunnelbändern mit, gesondert aufgenäht wird es nicht weiter. Um die Position des Taillenbandes zu bestimmen legt man sich das Korsett noch einmal um den Körper und markiert die Taille mit Stecknadeln. Dort legt man dann das Taillenband drauf und steckt es mit den Tunneln fest (Nadeln zur Markierung aber wieder rausziehen ;) )
Wie ich schon sagte kommt noch jeweils ein Stab vor und einer hinter die Schnürung. Der Stab der dahinter liegen wird braucht keinen Tunnel aus Nahtband, aber der davor. Um seine Position zu bestimmen nehme man wieder Geodreieck und Bleistift zur Hand und zeichne 3 zur hinteren Mitte parallele Linien an, alle im Abstand von 1,5 cm voneinander. Die erste Linie bezeichnte die Naht die die hintere Mitte schließ (quasi 1,5cm Nahtzugabe). Die zweite Linie bezeichet die Naht die den letzten Tunnel der hinter der Schnürung liegt absteppt. Die dritte Linie ist für den Bereich in dem später die Ösen sitzen werden. ca 1-2mm hinter der dritten Linie wird der letzte Tunnel angesteckt.
Auf dem Bild kann man die Tunnel-Verteilung und die drei Linien sehen.

So, dann muss man die Bänder nur noch aufsteppen. Wer 1,5cm Nahtband hat muss hier wie gesagt superexakt absteppen, sonst passen die Stäbe nicht mehr durch. Doch auch beim breiteren Band sollte man nicht zu krumm nähen, am besten ganz langsam aufsteppen dann kann man das besser kontrollieren. Auf dem Bild sieht man die aufgesteppten Tunnel, Das Taillenband ist knapp neben der vorderen Mitte nochmal angenäht worden.
Und damit ist die meiste Näharbeit auch schon geschafft.


Die Stäbe:


Jetzt kommt der erste handwerkliche Teil - das Ablängen der Stäbe.
Im Korsett werden ja zwei unterschiedliche Sorten Metall verwendet - die Spiralfeder und der Flachstahl. Die Spiralfeder hat den Vorteil daß sie sich auch zu den Seiten biegen lässt, damit kann man auch geschwungene Tunnel machen, zB an den Vorderen Paneelen ( in S-Linie-Korsetts ... ). Die Spiralfeder wird auf jeden Fall in alle Tunnel auf den vorderen Paneelen eingeschoben, d.h. im Brust-Bereich. Die Spiralfeder ist etwas weicher und drückt damit die Oberweite weniger platt.
Die Flachfeder ist quasi ein dünner aber massiver Metall-Stab der zwar durchaus flexibel ist, aber eben steifer als der Spiralstahl. Mindestens in den Tunneln vor und nach den Ösen an der hinteren Mitte sollte Flachfeder verwendet werden. Bei den restlichen Tunneln kommt es drauf an ...
Wer recht zierlich ist und nicht viel schnüren will kann überwiegend Spiralfeder verwenden. Je mehr geschnürt werden soll, umso mehr empfiehlt es sich Flachfeder zu verwenden, auch Damen mit größeren Größen sollten mehr Flachfedern einbauen. Meine eigenen Korsetts haben neben den beiden Flachfedern vor und nach der Schnürung noch 2 davon im Rücken und eine an der Seite wo mehrere Tunnel eng beieinander stehen (genauer gesagt im mittleren Tunnel - wenn ich 3 an der Stelle habe).
Die Stäbe werden nun so zugenschnitten daß sie insgesamt ca 4 cm kürzer sind als der Tunnel in den sie rein sollen - 2cm für die Oberkante und 2cm für die Unterkante. 2cm weil später ja noch das Schrägband an die Kanten soll und die Endkappen ebenfalls noch ein kleines bisschen Platz brauchen.
Flachfeder lässt sich nicht wirklich schneiden, nur eine Sollbruchstelle reinknipsen und dann den Stab an der Stelle umknicken und so gar brechen. Bei Soiralen ist es am besten zwei gegenüberliegende einzelne Drähte durchzuknipsen, dann fällt der Stab meist schon auseinander, auf die Weise kann man auch mit billigen Schrott-Seitenschneidern relativ mühelos die Spiralfedern ablängen.
Jetzt kommen noch die Endkappen drauf. Die Enden der Spiralfedern befreit man dazu erstmal von abstehenden Draht-Stücken und setzt dann die Kappe drauf. Angedrückt wird sie nun mit den zwei Zangen - die breitere hält die "Schenkel" der U-Förmigen Endkappe fest und gleichzeitig den Stab während die lange, dünne Zange die Ränder der Kappe fest andrückt. Die Verwendung von nur einer Zange führt meistens zu wilden Schimpf-Tiraden und Aggressions-Ausbrüchen *gg* weil - drückt man die Ränder fest öffnen sich die "Schenkel" , und wenn man die dann wieder zusammendrückt, lockern sich die Ränder wieder. Mit zwei Zangen geht das recht gut und hält bombenfest.
Bei den Flachfedern muss man zuerst die spitzen Enden abknipsen, sonst passt die runde Kappe nicht auf den eckigen Stab ;). Das Andrücken geht dann genau so wie bei den Spiralstäben.
Die Stäbe werden dann erstmal beiseite gelegt - am besten so daß man später noch weiß welcher Stab in welchen Tunnel gehört.


Schließe, Part 2 und hintere Mitte schließen:


So, jetzt wird die hintere Mitte geschlossen. Dazu lege ich die erste Korsett-Hälfte (völlig egal mit welcher man anfängt) mit den rechten Seiten aufeinander (die vordere Mitte ist ja schon zusammengenäht) und stecke das Ganze an den Ober- und Unterkanten so zusammen daß sich die Teilungsnähte von Futter und Oberstoff exakt decken. Wenn man Murks gemacht hat beim Nähen zeigt sich das jetzt, dann passen die beiden Schichten nämlich nicht mehr aufeinander. Ist das der Fall muss man nochmal Ändern, einfach reinmogeln schaut am Ende frei raus gesagt scheiße aus ;). Beide Teile sollten flach aufeinander liegen und nirgends zu lang oder zu kurz sein, geschweige denn sich irgendwie gegeneinander verziehen. Wenn alles passt steckt man die rückwärtige Kante zusammen. Die sollte relativ exakt aufeinander passen, ein-zwei Millimeter schaden hier ausnahmsweise nicht, die Hauptsache ist wie gesagt daß Oberstoff und Futter glatt aufeinander liegen. Nur allzuviel Abweichung darf es natürlich auch nicht sein.
Dann wird die Kante im Abstand von 1,5cm zugenäht, Nadeln raus und die Korsetthälfte wenden. Naht ausbügeln und auf der rechten Seite noch zweimal absteppen - eimal im Abstand von 1,5cm zur Kante (da kommt dann der letzte Stab rein der hinter der Schnürung liegt) und einmal 3cm von der Kante weg (zwischen diesen beiden Nähten werden die Ösen eigebaut).
Das Bild zeigt die fertig geschlossenen hintere Kante mit den beiden Nähten (ich hoffe man erkennt die)

Jetzt wird die Schließe noch fertig eingenäht. Dazu wird die Schließen-Hälfte eingeschoben - wer die Pilz-Seite der Planchette wie beschrieben schon zuvor eingebaut hat wird die noch im Stoff hängen haben - und durch alle Stofflagen möglichst eng und Faltenfrei festgesteckt. Und dann wird genäht. Und zwar möglichst knapp an der Schließe entlang. Am besten sehr, sehr langsam nähen. Es empfiehlt sich nach der cm-Skala auf der Stichplatte der Nähmaschine zu gehen, so eine halbe Planchette ist ca 2,3cm breit, also beachtet man am Günstigsten die 2,5cm-Markierung. Löffelplanchetten-Benutzer habe es an dieser Stelle ein kleines bisschen schwerer da man hier an der geschwungenen Kante der Schließe entlang nähen muss. Hier näht man besser noch langsamer, ich taste mich mit dem Fingernagel an der Metall-Kante entlang, ganz knapp vor der Maschinennadel und fühle so nach der Linie in der ich nähen muss. Ausserdem muss man die Löffelplanchette auf dem Anschiebetisch flach drücken zum Einnähen.
Wenn die Schließe dann drin ist und die hintere Mitte geschlossen und abgesteppt ist wiederholt man das Ganze mit der zweiten Korsett-Hälfte.
Anschließend werden die Stäbe eingeschoben (Auf dem ersten Bild mit der abgesteppten hinteren Kante sieht man die Flachfeder hinter den späteren Ösen beim Einschieben ins Korsett) .
Und damit auf zum Endspurt ...


Fertigstellung:


So, jetzt ist das Korsett fast fertig.
Jetzt werden noch die Ober- und Unterkanten mit Schrägband eingefasst. Dazu steckt man die Stoff-Lagen zunächst aufeinander damit nichts verrutschen kann dabei. Die Teilungsnähte sollen dabei wieder exakt aufeinander liegen und es darf sich nichts verziehen oder schief sitzen. Man steckt die Nadeln dazu einige cm von den Kanten entfernt durch alle Stofflagen - nötigenfalls auch weiter mittig im Korsett zusätzlich noch feststecken. Dann werden die Kanten gerade geschnitten. Durch Zuschnitt und Ausfransen werden die Kanten von Oberstoff und Futter nicht exakt gleich sein und ab und an ein paar mm überstehen, also alles vorsichtig zurückschneiden bis die Kanten ganz perfekt passen. Anschließend näht man im Abstand von 0,5cm von der Kante einmal alle Stofflagen zusammen - danach können die Nadeln rausgezogen werden.
Jetzt kommt das Schrägband dran. Dazu hat man zwei Möglichkeiten: einmal kann man das Band ganz normal zuerst auf der Futterseite festnähen, umschlagen und auf der Vorderseite gar zumachen (normale Vorgehenweise bei Schrägbändern eben), oder man näht zuerst auf der Vorderseite im Falz des bandes fest, schlägt es um und näht es an der Rückseite per Hand mit Überwend-Stichen fest. Bei der ersten Methode muss man sehr genau nähen, bei der zweiten sieht man dann am fertig angebauten Schrägband keine Naht auf der Vorderseite des Korsetts.
So, als letztes kommen dann noch die Ösen dran. Die werden nach Packungsangabe (wenn ihr ne Prym-Ösenschachtel besorgt habt) entweder mit den mitgelieferten Werkzeugen vorgestanzt und eingeschlagen oder eleganter mit der dazu passenden Ösenzange. Die Ösen sollten idealerweise einen Abstand von 2-2,5 cm voneinander haben, keinesfalls mehr. Durch diese kleinen Abstände staucht die Schnürung beim angezogenen Korsett die hintere Kante nicht zusammen, was zu hässlichen Quer-Falten führen kann. Ausserdem sitzt die Schnürung im Allgemeinen besser und fester und zieht sich nach längerem Tragen nicht so leicht auf. In der Taille sollte man zwei Ösen direkt aneinander anbringen, immerhin wird die Taille reduziert, das Korsett trägt dort den stärksten Zug und die Schnüre lassen sich so auch leichter binden.
Die Ösenverteilung könnt ihr euch bei meinen Korsetts bei den Rückansichten anschauen. Lediglich die ersten paar Modelle sind noch nicht auf die Art veröst ...
Jetzt muss nur noch die Schnur eingefädelt werden ...
Zum Material der Schnur wollte ich wie anfangs angedeutet ja noch was sagen: Poly oder Baumwolle? Der Vorteil von Polyester-Schnur ist daß sie lange haltbar ist, der Nachteil ist daß sie sehr leicht durch die Ösen gleitet. Klingt erst mal vielleicht nicht nach einem Nachteil, ist aber so. Beim Schnüren kann das bessere Gleiten von Vorteil sein, beim Tragen rutscht Poly-Schnur aber ebenfalls leichter auf und es kann vorkommen daß der Knoten ständig aufgeht.
Baumwolle reibt sich schneller auf, hält aber im geschnürten Zustand besser, der Knoten bleibt auch leichter zu, dafür muss man bein einschnüren ein bisschen mehr Zeit in Kauf nehmen ;)
Ich habe beide Varianten schon mehrmals getestet und mein Favorit ist die Baumwoll-Schnur.
Von Satinband in Korsetts sollte man tunlichst die Finger lassen!


Herzlichen Glückwunsch zum fertigen Korsett!


So, damit ist das gute Stück vollendet.
Ich hoffe meine Anleitung war halbwegs verständlich. Ansonsten - bei Fragen einfach fragen, Verbesserungsvorschläge werden gern angenommen.
Ein paar Sachen müssen aber auch für das fertige Korsett noch beachtet werden, wie das Eintragen, richtiges Einfädeln und Schnüren sowie Lagerung und (wenn nötig) Reinigung. Dazu werde ich nochmal extra etwas schreiben und hier verlinken - das ist ja nur die Näh-Anleitung ;)


Die von mir genähten Korsetts findet ihr HIER