
Zuerst einmal - Korsettbau ist weniger schwer als man denken könnte. Man sollte allerdings ziemlich exakt arbeiten können - und auch wollen ;) Unsauberkeit rächt sich beim Korsett nämlich sehr, daher sollte man vielleicht kein totaler Nähanfänger sein.
Die eigentliche Kunst des Korsettbauens ist die Anpassung. Hier braucht man ein bisschen Erfahrung und ich persönlich halte es für keine gute Idee einen Korsettschnitt ohne jegliche Erfahrung sofort selbst zeichnen zu wollen. Ein Korsett muss exakt sitzen, darf nirgends drücken oder so eng sein daß es derart unangenehm wird daß man es nicht wirklich drin aushalten mag. Wer meint, Korsetts sind immer unangenehm zu tragen der hat entweder noch nie eines angehabt oder nur Modelle die schlichtweg nicht passen.
Man darf auch nicht vergessen daß es natürlich auch eine Sache des individuellen Körperbaus ist sowie der Trage-Vorlieben. Der Eine mags vielleicht schön knackig eng, der Andere schnürt sich lieber nur ganz wenig. Zudem können Damen die eher kräftig gebaut sind aus dem Stand mehr wegschnüren als schlanke Leute. Zum Schluß ist noch ausschlaggebend wie viel Trage-Erfahrung man mit Korsetts schon hat und wie oft man sowas trägt, ob man vielleicht sogar auf eine bestimmte Taillenreduktion hinarbeiten möchte oder "nur" was nettes zum Ausgehen haben will.
Auch als Gelegenheits-Träger sollte man sich da Gedanken drüber machen denn ein nicht richtig sitzendes Korsett kann recht unangenehm werden ;) also lieber zwei Probeteile zu viel machen als zu wenig.
Es kann durchaus auch vorkommen daß das erste Korsett noch nicht so gut wird wie man vielleicht wollte, davon bitte nicht abschrecken lassen ;) , sicherheitshalber sollte man aber nicht den allerteuersten Lieblings-Stoff für das erste Werk verballern, die Metall-Teile kann man im Zweifelsfalle wiederverwerten. Ich spreche da durchaus aus Erfahrung ;) denn mein erstes Korsett existiert auch schon lange nicht mehr ...
Was man an Näh-Technik aber unbedingt können sollte:
Gerade Nähte produzieren
Schrägband annähen (wird nicht erklärt hier)
im Allgemeinen sehr sauber und exakt arbeiten (da werd ich weiter drauf rumreiten ;) )
Wer oben genannte Dinge problemlos hinbekommt kann sich auf jeden Fall ans Korsett-Nähen wagen.
Diese Anleitung soll sich hauptsächlich mit den Zusammennähen befassen. Deswegen behandel ich das Anpassen nur soweit nötig. Das ist eine recht individuelle Angelegenheit die bei den ersten Versuchen durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Da nicht jeder Körper gleich ist gebe ich nur die Erfahrungen weiter die ich selbst nach etlichen Korsetts gesammelt habe.
Manche Passform-Fehler findet man auch erst nach ein paarmal Tragen heraus. Ein Korsett ist eben kein Kleidungsstück wie jedes andere ;)
Verbesserungsvorschläge werden gerne entgegengenommen falls was unklar ist. Ihr könnt mich gerne fragen, ich freue mich über jede Resonanz :)
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Dann gehts mal los:
Man nehme:
Achtung! Die Materialangaben richten sich nach meiner Größe, (Minimale Taillenweite des fertigen Korsetts: 51-56cm, ist ca Gr. 6 bei amerikanischen Schnitten, teilweise noch kleiner), sind aber dennoch großzügig angegeben.
Als Oberstoffe eigenen sich Materialien die nicht zu dünn sind und halbwegs stabil, einen gewissen Stand sollten die Stoffe auch haben. Zwar wird die meiste Spannung vom Zwischenfutter getragen, aber auch der Oberstoff bekommt noch eine gewisse Belastung ab. Zu flimsiger Stoff ist in der Verarbeitung auch nicht gerade ein Vergnügen und führt zu Faltenbildung die man an einem guten Korsett möglichs wenig bis garnicht haben sollte. Elastisch sollten keine der verwendeten Stoffe sein. Von Unterbügeln mit Vliseline bin ich garkein Freund denn das Zeug kann sich unter der Belastung durchaus wieder vom Stoff ablösen!
Empfehlungen: Duchesse (eine sehr feste Satin-Art),Seiden-Taft, Doupion-Seide, Polyester-Taft (da gibt es auch recht dünne Stoffe, Finger weg davon!), fester Jaquard und Brokat, Leder (ist durchaus auch historisch korrekt ;) ), Lederimitat, Lack (fest und nicht elastisch), schöne Jeansstoffe, Cord, Baumwollsamt ... je nach Einsatzwunsch.
Stoffe und Bänder:
Metall:
Werkzeug:
Neben einer ganz gewöhnlichen Nähmaschine braucht man noch ein paar Hilfsmittel zum Schneiden des Metalls und andrücken der Endkappen:
Der Schnitt:
Für dieses Korsett nehme ich den Silverado-Schnitt aus der Packung LM100. Die grundsätzliche Konstruktion des Korsetts ist aber für die meisten Korsettschnitte gleich, also kann man auch einen anderen Schnitt nehmen und sich dennoch an meiner Anleitung orientieren.
Da bei gekauften Schnitten das Papier so verdammt poplig ist empfehle ich den Schnitt auf Folie oder Pergamentpapier durchzupausen, natürlich in der richtigen Größe ;) .
Ich hatte dazu einmal eine farbige, aber transparente Folie zum Bücher einbinden, die hält was aus, auch bei mehrmaligem Zuschneiden, später auch das bekannte Pergamentpapier zum Schnitte abpausen.
Durchrädeln ist auch eine Möglichkeit, allerdings nur dann wenn man das pingelig genau hinbekommt. Beim Korsett rächt sich schon ein einzelner Millimeter wenns dumm zugeht, also immer so exakt wie möglich arbeiten!
Dazu muss man noch wissen daß bei den meisten gekauften Schnitten (LM, Butterick, ...) die Maße auf der Packung für das komplett geschlossene Korsett gelten. Da so ein Korsett aber ja dazu gut ist die Taille zu reduzieren (egal obs nur ganz wenig ist oder richtig heftig) muss man dort weniger Umfang als man normal hat einplanen wenn man das Korsett später Kante an Kante zubekommen will. Oder eine zusätzliche Lücke zum Schnüren lassen die dann geschnürt genau parallel sein muss.
Ich hab gerne Lücke und gehe im Weiteren auch davon aus.
Wer wirklich nur ganz wenig schnüren mag dem empfehle ich an Hüfte und Oberweite 10cm und in der Taille 13-14cm Lücke. Hört sich nach massig viel an, aber das Korsett soll ja wie gesagt hier eine gleichmässige Lücke bekommen.. Also das Korsett auf jeden Fall 2 Größen weniger zuschneiden als man laut Tabelle der Packung hat.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen daß diese 10cm wirklich nicht viel sind. Die Stoffe werden sich bei Belastung noch mehr oder weniger dehnen, wie viel kommt auf das Material an sich an und wie stabil es ist, und auch auf die Anzahl der Lagen. Meine Korsetts haben ca 15-18cm Lücke (an der Taille!). Ich schnüre nicht viel weg (eben zwischen 5 und 8 cm) ... trotzdem ist das meiner Erfahrung bislang genau ideal für jemanden mit Grösse 34/36 wenn man nur mässig reduzieren will.
Stärker gebaute Damen können von vorne herein mehr einrechnen.
Hier ist es eine Erfahrungssache wie viel man verträgt und wie sich die Stoffe verhalten, das kann man pauschal nicht für alle Figuren definitiv sagen.
Wer eine extremere Körperform erzielen möchte kann an der Taille noch mehr Lücke lassen, oder sogar extra Keile an der Hüfte einsetzten, so wie die Brustkeile beim verwendeten LM100 Silverado.
Also, weiter im Text. Zuerst kommt das Schnitt-rauszeichnen dran. Dazu gehe ich zuerst nur nach der Taillenweite vor. Ich nehme das normale Taillenmaß und ziehe davon die gewünschte Lücke ab die sich aus der Reduktion (bei mir: 5-8cm) und der resultierenden Lücke ergibt (10cm), also sagen wir mal 15 cm. Das resultierende Maß rechne ich in inches um (weil die meisten kommerziellen Schnitte aus USA kommen und damit das imperiale Maß-Systhem verwenden) - also geteilt durch 2,54.
Dann suche ich mir auf der Packung die Größe aus die zu diesem Taillenumfang passt. Im Zweifelsfall die Nummer nehmen die größer ist als der errechnete Umfang und dann im Schnitt wieder wegnehmen - macht die spätere Form etwas sanduhriger :)
Diese Größe zeichne ich dann raus, aber auf dem Papier/Folie die Teile nicht allzu eng beisammen abzeichnen, für etwaige Änderungen. Noch nicht ausschneiden!
Danach messe ich Oberweite, Unterbrustweite und Hüftweite (aber nicht ganz unten auf der Hüfte, sondern etwa auf Höhe der rausstehenden Beckenknochen. Die LM-Schnitte reichen ca bis dahin. Wer einen kürzeren Schnitt hat sollte auf dem Bogen zB an einem Seitenteil die Taillenlinie suchen, von da abmessen wie lang es bis zur Unterkante des Korsetts ist, das Ganze bei sich runtermessen und an der Stelle dann den Hüft-Umfang messen.). Von diesen drei Maßen wird noch die Schnürlücke abgezogen (10cm)
So, dann braucht man ein Blatt Papier, Stift, Taschenrechner und Maßband. Jetzt misst man die gleichen Maße im abgezeichneten Schnitt nach. Logischerweise braucht man die halbierten Maße, da die abgemalten Schnitt-Teile ja nur eine Korsett-Hälfte darstellen.
Ausserdem muss man einrechnen daß der Schnitt die Nahtzugaben bereits enthält. Also 1,5 cm pro Kante, bzw 3cm pro Paneel weil ja jedes Paneel zwei Kanten hat. Beim Silverado komme ich auf 6 Paneele an Hüfte, Taille und Unterbrustweite, macht 18cm die ich noch dazuzählen muss. Bei der Obwerweite hab ich noch je zwei Brustkeile pro Seite, macht 8 Teile mit 21cm die ich dazuzählen muss. Wer ein 5-paneeliges Korsett macht hat es einfacher und braucht bei allen Maßen stets nur 5x3=15cm dazuzählen.
So, wir waren beim Nachmessen stehengeblieben. Schreib am besten auf welchen Wert die jeweiligen Maße im Schnitt haben sollen (also mit aufgerechneter Nahtzugabe und den ganzen vorher beschriebenen Rechnungen) und daneben die tatsächlich gemessenen Werte. Am besten ein paarmal messen für den Fall daß was schiefgegangen ist.
Wenn die Werte im Schnitt von den Soll-Maßen abweichen, schreib das am besten wieder daneben wie viel und ob zu groß oder zu klein.
Danach gehts ans Umzeichnen des Schnittes.
Dabei muss man noch ein paar Sachen beachten. Wenn die Taille kleiner gezeichnet werden soll, immer nur an den Seitennähten. Bei 5-paneeligen Schnitten hat man 2 Nähte zur Verfügung, beim 6-paneeligen Silverado nur eine. Soll die Taille größer werden, dann gleichmässig über mehrere Paneele verteilen und über die ganze Kante entlang anzeichnen, nicht nur an der Taille.
Braucht man mehr Weite an der Hüfte, so trägt man das zu 2/3 ebenfalls in den Seitenteilen an und lässt die Zugabe zu Taille hin glatt auslaufen, den Rest verteile ich über die hinteren Paneele. Hüfte verkleinern würde ich gleichmässig über alle Paneele und zur Taille auslaufen lassen. Wer die Sanduhr-Form nicht zu arg abschwächen mag nimmt an den Seitennähten nichts oder nur wenig weg. Braucht man sehr viel mehr Hüftweite kann in den Seitennähten an der Stelle auch Keile einsetzen.
Oberweite und Unterbrustweite am besten in den vorderen Teilungsnähten vergrößern. Wenn verkleinert werden muss, dann auf mehrere Paneele gleichmäßig verteilen.
Am Ende nochmal nachmessen ob der Schnitt wirklich die Soll-Maße hat. Und wenn alles passt kann ausgeschnitten werden.
Sorry, ich weiß daß sich diese Umrechen-Anleitung sicher etwas wirr anhören mag für jemanden der noch nie sowas gemacht hat. Das meiste ist eh rumprobieren und immer wieder messen. Zur Not fragt mich einfach :) ... ausführlicher möchte ich es an der Stelle nicht beschreiben, das meiste ist - wie gesagt - Erfahrung und jeder Körper ist etwas anders gebaut.
Danach ist es am sichersten ein Probeteil zu machen. Man kann das entweder ganz einfach einlagig aus einem billigen, aber dicken Stoff machen, das Teil dann testweise um den Körper legen und ein freiwilliges Opfer dazu bringen, im Rücken nachzumessen ob die gewünschten Schnürlücken so groß sind wie sie sollen, oder man macht sich etwas mehr Mühe, näht die Nahtzugaben einmal um und steckt provisorisch Stäbe rein. Dazu kann man auch eine Test-Schnürösenleiste machen, die hinten probehalber mal annähen und einmal wirklich zuschnüren.
Probeteile können gerade beim Korsett extrem hilfreich sein und wer sich nicht ganz sicher ist sollte sich wirklich die Mühe machen ein Test-"Korsett" mit Stäben (müssen nicht so viele sein wie im richtigen Korsett) zu machen da man so besser sehen kann wie sich da Korsett geschnürt in etwa verhalten wird.
Im Prinzip empfehle ich, an der Taille im Zweifelsfall einen cm zu klein zu machen, dafür darf es an den anderen drei Maßen ruhig ein cm mehr sein. Schließlich soll die Taille reduziert werden und nicht der Rest. Wird der Brustkorb zu eng eingeschnürt bekommt man logischerweise keine Luft, das Ganze kann unangenehm auf die Rippen drücken und sogar regelrechte Druckstellen hinterlassen.
Ist die Hüftweite zu knapp bemessen kann das Korsett auf die Hüftknochen drücken und/oder sogar der Allerwerteste einschlafen (ja, ich spreche auch hier wieder aus Erfahrung ;)) .
Dabei meine ich jetzt nicht speziell Dauertragen, auch wenn man nur gelegentlich im Korsett steckt wird das meistens länger als eine halbe Stunde sein daher sollte man das Anpassen wirklich sorgfältig machen.
Wenn der Schnitt angepasst ist kanns gleich weitergehen zum Zuschnitt.
Der Zuschnitt:
Beim Zuschneiden sehr exakt arbeiten! Wie bereits gesagt ist im Papierschnitt die Nahtzugabe schon enthalten, also einfach genau an den Papierkanten entlang sägen. Wer einen Rollschneider besitzt kann sich hier glücklich schätzen ;)
Die Reihenfolge ist zwar mehr als egal, aber ich fange meistens mit dem Zwischenfutter an. Das wird aus dem Baumwoll-Köper respektive Jeansstoff geschnitten, und zwar pro Paneel 4 Stück, bzw pro Korsetthäfte 2 Teile da das Korsett zwei Lagen Zwischenfutter haben wird. Die Brustkeile müssen 8-mal ausgeschnitten werden - 2 Keile pro Hälfte, 2 Lagen und natürlich zwei Korsetthälften ;) (wer einen Schnitt ohne diese Keile hat muss logischerweise auch keine zuschneiden ;)).
Dann der Oberstoff: dazu brauchen wir 2 jeweils gegengleiche Teile pro Paneel - also für beide Hälften ... wer einen Stoff mit Muster verwendet muss da ein bisschen aufpassen daß das Korsett am Ende gleichmässig aussieht. Bei Stoffen mit Muster kann es sein daß mehr Material benötigt wird. Brustkeile brauchen wir insgesamt, also 2 für jede Seite :).
Für das sichtbare Futter schneidet man die vorderen und hinteren Mittelteile (also da wo vorne die Schließe sitzt und hinten die Schnürung) noch je zweimal aus Oberstoff zu, die restlichen Teile aus dem dünneren Baumwollstoff je zweimal (Brustkeile: viermal).
Wenn man mit Zuschneiden fertig ist hat man ne Menge Teile: beim Silverado sinds 64 Teile mit allem Drum und Dran, und die werden jetzt vernäht ...
Zunächst ebr ein Bild von dem was wir jetzt haben:
Nähen:
Jetzt geht es an den Zusammenbau. Hier zeigt sich nun ob man Fehler gemacht hat.
Schließe, Part 1:
I
Der nächste Schritt ist nun die Oberstoff-Hälften mit den passenden Futter-Hälften zusammenzunähen. Dabei muss man beachten in welche Hälfte das Ösen-Teil der Planchette kommt.
Bei den ersten 2-3 Korsettern verbiegt man sich dabei garantiert noch mehr oder weniger das Hirn, und oft genug bauen Anfänger die Planchette falsch herum ein. Mit ein bisschen logischem Denken wird man aber feststellen daß die Planchette nur auf eine einzige Art und Weise eingenäht werden kann ;)
Ganz wichtig ist schonmal folgendes: Die beiden Ösen/Haken die einen engeren Abstand haben als die anderen gehören nach UNTEN!
Wer eine Löffelplanchette verwendet hat es ein bisschen leichter da der breitere, gebogene Teil unten ist (logisch) das sieht man einfach und es besteht kaum Gefahr die Schließe falsch herum einzunähen.
Daraus ergibt sich daß die Seite mit den Ösen in die rechte Korsetthälfte eingebaut werden muss (rechts in dem Fall beim angezogenen Korsett aus der eigenen Perspektive gesehen) ... überhaupt ist es sehr hilfreich sich die beiden Oberstoff-Hälften mal an den Körper zu legen und von da aus zu überlegen welches Planchetten-Teil wo reinmuss.
Also, ich fange mit der einfacheren Seite bei diesem Schritt an, der Seite mit den "Pilzchen" bzw der Haken. Beim getragenen Korsett ist das die linke Häfte, also beide Korsett-Hälften an den Köper legen, die linke beiseite legen und das passende Futter-Teil dazu raussuchen. Dabei möglichst nicht vergessen welche Kante am Korsett die Untere ist und welche die Obere! Wer ein Korsett mit Brustkeilen hat kann das einfach überprüfen (Klar, Brustkeile baut man oben ein ;) ), wer einen Schnitt ohne sowas verwendet sollte zB die Unterkante Markieren (Nadeln, Anzeichnen ...).
Diese beiden aufeinanderpassenden Oberstoff- und Futter-Hälften werden rechts auf rechts aufeinander gelegt und an der vorderen Mitte zusammengesteckt - wie bei den einzelnen Paneelen. Danach näht man die beiden Teile in der vorderen Mitte mit exakt 1,5 cm Nahtzugabe zusammen. Einfach gerade runter. Wenn man geschafft hat die beiden richtigen Hälften von Oberstoff und Futter aufeinander zu nähen kann mit der Ausrichtung der Schließe schonmal kaum was schief gehen :).
Danach werden diese Nahtzugaben sauber auseinander gebügelt, und danach wieder alle beide in Richtung Futter-Seite damit die Zugaben beim nächsten Schritt nicht im Weg sind.
Als nächstes bohrt man die Löcher für die Pilze in den Stoff. Dazu male ich mit dem Geodreieck eine parallele Linie zu der Naht die Oberstoff und Futter verbindet auf die Innenseite des Oberstoffes, und zwar im Abstand von 0,5cm. Dann lege ich die Pilz-Hälfte der Planchette rechts neben diese Linie (vorausgesetzt das aufgeklappte Korsett liegt mit der Unterkante nach unten!) mit den Pilzen nach oben. Das Korsett sollte in etwa 3cm länger sein als die Planchette, bleibt also 1,5cm Luft oben und unten, die messe ich ab und lege die Planchette genau in der Position neben die Linie. Sicherheitshalber die 1,5cm oben und unten markieren falls man beim Anzeichnen verrutscht.
Jetzt zeichne ich die Position der Pilze an der Linie an. Bitte wieder extrem exakt arbeiten! Auch hier fallen Fehlerchen auf! Am besten doppelt und dreifach überprüfen daß auch ja nichts verrutscht ist!
Wenn alles passend angezeichnet ist kommt die Ahle (respektive ein Vorstecher aus dem Werkzeugkasten) zum Einsatz. Damit bohrt man an den angezeichneten Stellen in den Stoff. Manche stanzen Löcher rein, aber das ist aus dem Grund eine schlechte Idee weil das Loch unter den Pilzen der Schließe unversäubert bleibt und weiterfransen kann. Sticht man ein Loch mit der Ahle, zuerstört man das Gewebe an der Stelle nicht sondern drängt lediglich die Fäden auseinander und es franst nichts aus. Diese Methode geht nur dann nicht wenn man Leder, Kunstleder, Lack oder vergleichbare Materialien hat, da muss man zur Lochzange greifen, aber bitte kein Loch machen daß genau so groß ist wie der Kopf des Pilzes, sondern ein bisschen kleiner, auch Leder, Lack und Kunstleder lassen sich noch soweit weiten daß die Köpfe durch das Loch passen, und die Planchette sitzt dann fester und kann nicht mehr verrutschen (ich hab aus allen drei Materialien schon Korsetter gebaut ;) )
Achtung! Bevor man das stechen anfängt bitte unbedingt nochmal nachprüfen ob man auch wirklich durch die Hälfte mit dem Oberstoff sticht! Die Pilze müssen am Ende auf der Oberstoff-Seite rauskommen!
OK, am besten ist es ein Loch zu stechen und dann sofort den ersten Pilz durchzuschieben. Je nach Gewebe wird man da ein bisschen rumfummeln müssen bis der Pilzkopf (*g*) durchgefisselt ist weil sich die Fäden natürlich wieder zurückschieben wo sie hingehören. Einfach hartnäckig bleiben ... und so jedes Loch einzeln stechen und jeden Pilz nacheinander durch den Stoff schieben.
Am Ende noch eine kurze Prüfung ob alles passt: Korsett-Hälfte um die linke Körperseite legen. Ist die Unterkante wirklich unten? Sind die beiden engerstehenden Pilze unten? Wenn beides mit "Ja" beantwortet werden kann ist alles bestens ...
Anmerkung: Es ist durchaus auch möglich die Pilz-Seite erst später ins Korsett einzubauen da man nun mit bereits im Korsett hängender Schließe weiternähen muss. Ich jedenfalls finde nicht daß sie sonderlich stört, ausserdem verhindert das daß man im Weiteren die beiden Hälften vertauscht ...
Für Löffelplanchetten-Benutzer: die Methode ist exakt gleich, man muss nur beim anzeichnen der Löcher das gebogene untere Ende flach auf die 0,5cm-Linie drücken.
Die Tunnel und das Taillenband:
So, der nächste Schritt ist nun die Tunnel für die Stäbe aufzunähen. Diese Tunnel werden auf die Innenseite des Futters gesteppt und verschwinden damit im Inneren des Korsetts, lediglich die Nähte wird man später noch auf der Futterseite des fertigen Korsetts sehen.
Bei der Verteilung der Tunnel kann man so vorgehen wie es im gekauften Schnitt bereits eingezeichnet ist, muss man aber nicht. Ich verteile meine Stäbe immer frei und nach meiner Erfahrung im Korsett. Die da wäre daß es ratsam ist an den beiden Seitenteilen 2-3 (oder mehr wenn man eine größere Göße trägt) Stäbe dicht aneinander zu machen weil das Korsett im geschnürten Zustand gerade dort besonders gerne Falten wirft. Egal wie man das handhaben möchte, auf jedem Fall muss in der hinteren Mitte vor und hinter die Schnürung ein Stab - aber das wird noch gesondert erklärt.
Besonders bei gekauften Korsetts ist es so daß nur die Teilungsnähte einen Stab bekommen, für ein anständiges Korsett ist das aber zu wenig. Ich neige dazu sehr viel Metall in meine Korsetts zu stecken und ein Stab mehr ist sicher besser als einer zu wenig.
Bevor die Tunnel und das Taillenband aufgenäht werden muss das Baumwoll-Nahtband noch etwas behandelt werden, für der Fall daß jemand tatsächlich das Korsett waschen will ;) . Dazu macht man den Bänderkram unter dem Wasserhahn nass, drückt es gut aus und bügelt es anschliessend bis es wieder trocken ist - das gilt für Tunnelbänder und Taillenbänder gleichermassen.
Die Stäbe:
Schließe, Part 2 und hintere Mitte schließen:
Fertigstellung:
So, jetzt ist das Korsett fast fertig.
Jetzt werden noch die Ober- und Unterkanten mit Schrägband eingefasst. Dazu steckt man die Stoff-Lagen zunächst aufeinander damit nichts verrutschen kann dabei. Die Teilungsnähte sollen dabei wieder exakt aufeinander liegen und es darf sich nichts verziehen oder schief sitzen. Man steckt die Nadeln dazu einige cm von den Kanten entfernt durch alle Stofflagen - nötigenfalls auch weiter mittig im Korsett zusätzlich noch feststecken. Dann werden die Kanten gerade geschnitten. Durch Zuschnitt und Ausfransen werden die Kanten von Oberstoff und Futter nicht exakt gleich sein und ab und an ein paar mm überstehen, also alles vorsichtig zurückschneiden bis die Kanten ganz perfekt passen. Anschließend näht man im Abstand von 0,5cm von der Kante einmal alle Stofflagen zusammen - danach können die Nadeln rausgezogen werden.
Jetzt kommt das Schrägband dran. Dazu hat man zwei Möglichkeiten: einmal kann man das Band ganz normal zuerst auf der Futterseite festnähen, umschlagen und auf der Vorderseite gar zumachen (normale Vorgehenweise bei Schrägbändern eben), oder man näht zuerst auf der Vorderseite im Falz des bandes fest, schlägt es um und näht es an der Rückseite per Hand mit Überwend-Stichen fest. Bei der ersten Methode muss man sehr genau nähen, bei der zweiten sieht man dann am fertig angebauten Schrägband keine Naht auf der Vorderseite des Korsetts.
So, als letztes kommen dann noch die Ösen dran. Die werden nach Packungsangabe (wenn ihr ne Prym-Ösenschachtel besorgt habt) entweder mit den mitgelieferten Werkzeugen vorgestanzt und eingeschlagen oder eleganter mit der dazu passenden Ösenzange. Die Ösen sollten idealerweise einen Abstand von 2-2,5 cm voneinander haben, keinesfalls mehr. Durch diese kleinen Abstände staucht die Schnürung beim angezogenen Korsett die hintere Kante nicht zusammen, was zu hässlichen Quer-Falten führen kann. Ausserdem sitzt die Schnürung im Allgemeinen besser und fester und zieht sich nach längerem Tragen nicht so leicht auf. In der Taille sollte man zwei Ösen direkt aneinander anbringen, immerhin wird die Taille reduziert, das Korsett trägt dort den stärksten Zug und die Schnüre lassen sich so auch leichter binden.
Die Ösenverteilung könnt ihr euch bei meinen Korsetts bei den Rückansichten anschauen. Lediglich die ersten paar Modelle sind noch nicht auf die Art veröst ...
Jetzt muss nur noch die Schnur eingefädelt werden ...
Zum Material der Schnur wollte ich wie anfangs angedeutet ja noch was sagen: Poly oder Baumwolle? Der Vorteil von Polyester-Schnur ist daß sie lange haltbar ist, der Nachteil ist daß sie sehr leicht durch die Ösen gleitet. Klingt erst mal vielleicht nicht nach einem Nachteil, ist aber so. Beim Schnüren kann das bessere Gleiten von Vorteil sein, beim Tragen rutscht Poly-Schnur aber ebenfalls leichter auf und es kann vorkommen daß der Knoten ständig aufgeht.
Baumwolle reibt sich schneller auf, hält aber im geschnürten Zustand besser, der Knoten bleibt auch leichter zu, dafür muss man bein einschnüren ein bisschen mehr Zeit in Kauf nehmen ;)
Ich habe beide Varianten schon mehrmals getestet und mein Favorit ist die Baumwoll-Schnur.
Von Satinband in Korsetts sollte man tunlichst die Finger lassen!
Herzlichen Glückwunsch zum fertigen Korsett!
So, damit ist das gute Stück vollendet.
Ich hoffe meine Anleitung war halbwegs verständlich. Ansonsten - bei Fragen einfach fragen, Verbesserungsvorschläge werden gern angenommen.
Ein paar Sachen müssen aber auch für das fertige Korsett noch beachtet werden, wie das Eintragen, richtiges Einfädeln und Schnüren sowie Lagerung und (wenn nötig) Reinigung. Dazu werde ich nochmal extra etwas schreiben und hier verlinken - das ist ja nur die Näh-Anleitung ;)
Die von mir genähten Korsetts findet ihr HIER